Flucht und Migration – neue Ausgabe von Communicatio Socialis (01/16) erschienen!

ComSoc_UmschlagIn Nachrichtensendungen, Zeitungen, Zeitschriften und auf Onlineportalen ist „Flucht“ omnipräsent. Politische Talkshows kennen kaum ein anderes Thema. Anne Will diskutierte in sechs von acht Sendungen von Januar bis Anfang März 2016 über Flucht, Flüchtende und die Auswirkungen; acht von acht „Hart aber Fair“-Sendungen widmeten sich im gleichen Zeitraum dieser Thematik und sechs von acht „Maybrit Illner“- Sendungen. So groß wie das öffentliche Interesse scheint auch die Sensibilität der Öffentlichkeit zu sein, wenn es um das Was und Wie der Berichterstattung geht. Allein zur Berichterstattung über die Silvesterereignisse in Köln gingen 31 Beschwerden beim Deutschen Presserat ein: „Diskriminierung“ und „Rassismus“ lauteten die häufigsten Vorwürfe. Doch der Presserat bewertete alle Beschwerden als unbegründet (Deutscher Presserat 2016a). Aus medienethischer Perspektive bietet das Thema „Flucht und Migration“ unzählige Anknüpfungspunkte für eine kritisch hinterfragende und diskursive Auseinandersetzung. Dem trägt Communicatio Socialis mit dem Schwerpunkt „Flucht und Migration in den Medien“ Rechnung.

Der Themenschwerpunkt beginnt mit einem Aufsatz von Friederike Herrmann über „Narrative in der Berichterstattung zum Flüchtlingsthema“. Der Beitrag fußt auf einer Analyse von TV-Nachrichtensendungen und Tageszeitungen. Die Autorin kann zeigen, dass die in der medialen Massenkommunikation vorherrschenden und meist negativ konnotierten Narrative Fakten verdrängen. Ausweg aus diesem Zerrbild ist in Herrmanns Augen ein kritischer und aufklärerischer Journalismus, der gängige Narrative entlarvt und auf Fakten setzt.

Petra Hemmelmann und Susanne Wegner widmen sich zum einen Mustern und Themenschwerpunkten in der Berichterstattung zur Fluchtthematik und zum anderen untersuchen sie Facebook- Posts politischer Parteien. Sie können fünf Wellen der Bericht- erstattung identifizieren, die jeweils von anderen Stereotypen und Schwerpunkten geprägt sind. Auf „Facebook“ spiegelte sich die Spaltung der Gesellschaft wider, wobei vor allem die AfD und die CSU mit ihren ablehnenden Haltungen zur Aufnahme von Flüchtenden Zuspruch erhalten.

Mit der Darstellung von Flucht und Migration im Film befasst sich Thomas Bohrmann. Der Autor stellt sechs verschiedene Filme vor, die den Zuschauer zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema auffordern, weil sie emotionale und kognitive Impulse bieten. In der Konsequenz plädiert Bohrmann für einen bewussten pädagogischen Einsatz der Filme.

Der Medienrechtler Ernst Fricke beleuchtet aus juristischer Perspektive die Berichterstattung über die Ereignisse der Silvesternacht in Köln. Anhand rechtlicher Grundlagen und Grundsatzurteile betont Fricke die Bedeutung der Regeln zu Diskriminierung und Vorverurteilung im Pressekodex.

Das neue Heft ist ab sofort online abrufbar. Die Artikel können auch einzeln erworben werden. Wie gewohnt erscheint die neue Ausgabe auch in gedruckter Form. Die Zeitschrift Communicatio Socialis erscheint im verzögerten Open Access: 12 Monate nach Erscheinen eines Artikels ist er frei im Netz zugänglich. Eine Reihe von (Universitäts-) Bibliotheken haben Communication Socialis lizensiert und gewähren ihren Nutzer_innen Zugriff auf die aktuellen Inhalte (siehe diese Übersicht).

 

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