Neue Ausgabe zur Glaubwürdigkeit des Journalismus

Die Angriffe auf den Journalismus und die Journalist_innen sind schärfer geworden. Anti-Medien-Parolen erhalten Zuspruch. Konstruktive Medienkritik weicht zunehmend pauschalen Beleidigungen. Verschwörungstheorien machen die Runde. Die Rede ist von Vorwürfen und Anschuldigungen wie „Desinformationskampagne“, „Gefälligkeitsberichterstattung“, „gekaufte und korrupte Journalisten“ und schließlich „Lügenpresse“ – das Unwort des Jahres 2014.

Cover der Ausgabe 2/2015Die letzte Erhebung der ARD/ZDF-Langzeitstudie Massenkommunikation verzeichnete 2010 gegenüber 2005 einen Rückgang der Glaubwürdigkeit des Fernsehens von 66 auf 63 Prozent und der Tagespresse von 62 auf 60 Prozent, während die des Internets von 22 auf 29 Prozent stieg. Den Glaubwürdigkeitsverlust dokumentiert ebenfalls eine „Microsoft“-Umfrage aus dem Jahr 2015, nach der 31 Prozent der deutschen Onliner meinen, dass PCs, Tablets oder Smartphones vor allem einen negativen Einfluss auf das Vertrauen in die Medien haben. In der Allensbacher-Berufsprestigeskala rangieren Journalisten seit Jahren stabil auf niedrigem Niveau zwischen 11 und 18 Prozent. Auch die Medien selbst beschäftigen sich mit dem zunehmend mangelnden Vertrauen in sie selbst: „Alles Lügen?“, fragt die Wochenzeitung „Die Zeit“ am 25. Juni 2015 auf ihrer Titelseite.

Die Ursachen für die Glaubwürdigkeitskrise der traditionellen Medien sind vielfältig. Damit beschäftigt sich der Schwerpunkt der neuen Ausgabe von Communicatio Socialis unter dem Titel „Glaubwürdigkeit & Vertrauen – Journalismus zwischen Ressourcenkrise und entfesseltem Publikum“.

Im ersten Beitrag unterscheidet der Philosoph Patrick Zoll zwei Typen von Verschwörungstheorien mit unterschiedlichem Rationalitätspotential. Seine Analyse fokussiert auf einen neuen Realismus, mit dem eine normative Einrahmung der Medienkritik, als Kritik der Medienkritik, möglich ist. Die unterschiedlichen Dimensionen journalistischer Glaubwürdigkeitszuschreibungen stellen Tanja Thomas, Elke Grittmann und Fabian Virchow anhand ausgewählter Ergebnisse einer Studie vor, die sich mit der medialen Berichterstattung über die NSU-Morde befasst.

Akzeptanz und Vertrauen sind für die Mediengesellschaft von zentraler Bedeutung, denn Medien haben eine orientierende und anleitende Funktion. Darum wird zu Recht Qualität eingefordert. Der Dresdner Kommunikationswissenschaftler Lutz Hagen gibt deshalb einen Überblick über die Qualitätsforschung. Verschärft hat sich die Auseinandersetzung aber auch durch ein Klientel, das den Diskurs in den digitalen Medien vergiftet. Daher beschäftigt sich der bei der „Sächsischen Zeitung“ in Dresden tätige Redakteur Ulrich Wolf in einem Essay mit den Machenschaften und dem medialen Bashing der Pegida.

Abseits jeglicher fundierter Kritik agieren im Netz die Trolle. Sie tummeln sich in Kommentarspalten im Internet und in sozialen Netzwerken, um dort gezielt andere Internetnutzer zu provozieren, zu beleidigen und zu bedrohen. Petra Hemmelmann zeigt in Ihrem Beitrag zum Abschluss des Schwerpunkts exemplarisch auf, dass viele angegriffene Medien und Journalist_innen nicht mehr schweigen, sondern sich mit Ironie gegen die Trolle wehren.

Sie können das neue Heft ab sofort online lesen und auch einzelne Artikel abrufen. Wie gewohnt erscheint die neue Ausgabe auch in gedruckter Form.

 

 

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