
Zum aktuellen Heft: Thema „Film & Kino“
Film ab! Im vergangenen Jahr haben die deutschen Kinos über 90 Millionen Besucher:innen begrüßt. Wer hätte 1895 bei der ersten öffentlichen Filmvorführung im Pariser Grand Café ahnen können, welche Erfolgsgeschichte daraus einmal entstehen würde? Die Faszination für Film und Kino ist ungebrochen – trotz und auch wegen neuer Akteure auf dem Produktionsmarkt, einer wachsenden Anzahl an Streaming-Angeboten und digitaler Formatinnovationen.
Unsere neue Ausgabe von Communicatio Socialis blickt genauer auf Inhalte, Wirkungen, Personen und Strukturen im Themenspektrum Film und Kino. Die Redaktion hat hierzu zahlreiche vielschichtige Ideen und Beitragsvorschläge erhalten und gefunden. Ein klares Zeichen dafür, dass das Thema hochaktuell ist: in Wissenschaft, Praxis und Gesellschaft.
Die Beiträge im Heft
Das zeigt sich auch im einführenden Beitrag von Thomas Bohrmann, deraus anthropologischer Perspektive eine theoretische Fundierung vorlegt. Er begreift Filme als ethische Erzählungen, die dem Publikum zu moralischer Selbstbefragung über die Darstellung von Konflikten, Dilemmata und Verantwortung herausfordern. Nicht nur medienethisch können Film und Kino daher als kreative Vermittler von Glaubens-, Grundsatz- und Gesellschaftsfragen fungieren.
Auf dieser Grundlage untersucht Thomas Wiedemann, wie deutsche kommerziell und künstlerisch erfolgreiche Kinospielfilme Deutungsmuster gesellschaftlicher Wirklichkeit reproduzieren. Seine diskursanalytische Studie macht sichtbar, dass Pluralität und Diversität nicht erreicht werden. In der filmischen Darstellung dominieren privilegierte Perspektiven und bilden damit nur eine begrenzte Vielfalt an Lebensformen ab. Seine Kritik: Viele wichtige Perspektiven bleiben nach wie vor marginalisiert.
Diese Einschätzung ist eine passende Vorlage für den Beitrag von Sophie Radziwill und Julia Stüwe. Ihr Blick richtet sich auf die strukturelle Verantwortung in der Filmbranche. Die Untersuchung zu Produktionskulturen zeigt, dass Alter und Geschlecht in der Regie, beim Drehbuch, in der Produktion Einfluss darauf haben, wer Teilhabechancen erhält und wie Entscheidungsmacht in der Branche verteilt ist. Damit wirft der Beitrag ein Licht auf die unsichtbaren ethischen Lücken hinter der Kamera.
Bernhard Groß ergänzt eine spannende historische Perspektive. Sein Beitrag untersucht Holocaust-Filme der BRD, DDR und aus Italien während des Kalten Krieges von 1945-1990. Die Analyse zeigt in der Rezeption und Produktion sehr heterogene Filme. Es wird schnell deutlich, dass filmische Erinnerung nicht allein historische Dokumentation ist, sondern eine moralisch aufgeladene Auseinandersetzung mit Geschichte.
Aktuelle Perspektiven aus der Praxis liefert das hierauf folgende Interview von Jonas Schützeneder mit Leopold Hoesch. Der vielfach ausgezeichnete Produzent blickt auf die medienethische Dimension des Filmalltags und aktuelle Entwicklungen in der Branche. Die Einschätzungen zu neuen Akteuren und KI eröffnen herausfordernde Perspektiven für ein berufs- und Kulturfeld, das ohnehin permanent im Wandel ist.
Den Abschluss des Schwerpunktes bilden zwei Beiträge rund um Filmfestivals. Tanja Krainhöfer spricht mit dem Intendanten und künstlerischen Leiter des Internationalen Leipziger Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm Christoph Terhechte über die Rolle von Filmfestivals als Foren gesellschaftlicher Debatten, die als offene Orte für Dialog und Kontroverse fungieren. Diese Perspektive ergänzt der abschließende Beitrag von Madeleine Bernstorff und Sabine Niewalda vom Team der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen – dem ältesten Kurzfilmfestival der Welt. Sie stellen aus festivalästhetischer Sicht die Bedeutung von Vielfalt und demokratischer Diskurskultur im Kurzfilm heraus.
Der Aufsatz im aktuellen Heft nimmt eine besondere Zielgruppe in den Blick: Sophie Hepach untersucht darin, wie Qualitätsjournalismus für Kinder gestaltet werden sollte. Dazu hat sie Kinder im Alter zwischen sechs und 13 Jahren interviewt und hiervon ausgehend Qualitätskriterien erarbeitet.
In unserer Rubrik „Kommunikation in Religion und Gesellschaft“ untersucht Tanja Maier wie sich die Papstbilder im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ im Zeitverlauf verändern und wie sich damit die Politiken der Sichtbarmachung wandeln. Eine besondere Form der pastoralen Kommunikation nimmt dagegen Kira Stütz in den Blick. Sie untersucht die Instagram-Tätigkeit zweier evangelischer Pfarrer:innen.
Ab sofort sind die einzelnen Artikel online verfügbar.
https://www.inlibra.com/de/journal/view/issn/0010-3497
Selbstverständlich erscheint die Ausgabe, wie gewohnt, auch in gedruckter Form.