Zum aktuellen Heft: Thema „Helden und Ikonen“

Herkules war einer, Nelson Mandela und Mutter Teresa, Superman ganz sicher – und auch Greta Thunberg ist eine: Helden und Ikonen lassen uns an das Gute, das Wunderbare glauben und schenken uns Inspiration, Mut und Auftrieb. Ein Held bzw. eine Heldin kann fiktiv oder real sein, immer aber zeichnet ihn/sie aus, dass er/sie körperlich oder geistig etwas Besonderes zu leisten vermag. Ob nun Herkules den Nemeischen Löwen erlegt oder Greta Thunberg mit ihren Worten tausende Jugendliche dazu motiviert, für den Klimaschutz auf die Straße zu gehen: Heldinnen, Helden und Ikonen verfolgen ein Ziel – oft ein moralisch anspruchsvolles, wie die Welt zu retten oder sie zu einem besseren Ort zu machen. Aber reicht es tatsächlich aus, etwas Besonderes zu leisten, um zum Helden oder zur Heldin zu werden? Und welche Rolle spielen die Medien bei der Erschaffung von neuen Helden und Ikonen? Fragen wie diese stehen im Zentrum der aktuellen Ausgabe von Communicatio Socialis.

Die Beiträge im Heft

Mit einem Blick in die Vergangenheit und einem Streifzug durch die Kulturgeschichte des Heldenbegriffs beginnt die medienethische Heldenreise, zu der wir Sie in unserer neuen Ausgabe von Communicatio Socialis herzlich einladen möchten. Stefan Piasecki legt hierbei seinen Schwerpunkt auf den klassischen Typus des Kriegshelden und dessen gesellschaftliche Bewertung bis in die Gegenwart.

Batman und Superman sind uns allen hinreichend bekannt. Wie aber sehen Helden in anderen Kulturkreisen aus? Sonja Anwar gibt uns einen Einblick in Heldentum und Medienhelden im Islam, insbesondere in Iran – als Nachfolger des historischen Persiens immerhin eine der ältesten Kulturen der Welt.

Mit dem Beitrag von Ingrid Paus-Hasebrink geht der Blick zurück in den Westen und zu einem der bekanntesten Helden der hiesigen Popkultur: J.R.R. Tolkiens Hobbit. Paus-Hasebrink dient er als Beispiel für die Rolle popkultureller Angebote im Alltag. Auf Basis einer qualitativen Analyse kann Paus-Hasebrink darlegen, dass Rezipient_innen die „Hobbit“-Filme als Orientierungsvorlage angesichts realer Probleme und Ereignisse nutzen.

Unter den liebsten Film- und Fernsehhelden der Kinder und Jugendlichen ist der Hobbit dennoch nicht vertreten. Maya Götz zeigt in ihrem Beitrag, der ab sofort online über diesen Link https://doi.org/10.5771/0010-3497-2019-3-317 kostenfrei abrufbar ist, auf, dass dort aktuell SpongeBob, Bart Simpson, die Hexe Lilli und Kim Possible ganz oben rangieren. Bemerkenswert ist aus ihrer Sicht, dass sich der Typus der bewunderten Helden je nach Geschlecht stark unterscheidet. Dies hat Konsequenzen für die Entwicklung der Kinder, sind doch Medienheld_innen ein elementarer Teil der Identitätsarbeit.

Welche Bedeutung Held_innen für junge Rezipient_innen haben, zeigt auch ein Gespräch mit der Autorin Margit Auer. Die Schriftstellerin steht hinter der Bestseller-Reihe „Die Schule der magischen Tiere“ und ist damit Mutter gleich mehrerer Kinderheld_innen. Was diese ausmacht und wie sie entstehen, berichtet sie im Doppelinterview mit einem ihrer Fans, der 12-jährigen Delia.

Als moderne Ikonen zählen auch Prominente, für viele sind sie Vorbilder. Was bedeutet das aber, wenn es um den Bereich Gesundheit geht? Welche Effekte hat es, wenn Promis

eine Krankheit oder eine Operation öffentlich machen? Marlis Prinzing untersucht dies in ihrem Beitrag.

Körperliche und psychische Auswirkungen hat auch die Selbstdarstellung von Influencerinnen auf Instagram und Youtube, das zeigt Maya Götz in ihrem zweiten Beitrag in diesem Heft. Die modernen Heldinnen präsentieren sich stets makellos. Eine Selbstinszenierung, die viele der jungen Fans u. a. mit Hilfe von Filter-Apps nachzuahmen versuchen – leider mit Konsequenzen für ihr Selbstbild.

Ab sofort sind die einzelnen Artikel online verfügbar: https://doi.org/10.5771/0010-3497-2019-3

Selbstverständlich erscheint die Ausgabe, wie gewohnt, auch in gedruckter Form.

Mit seinem Schwerpunkt „Bedrohungen digitaler Öffentlichkeiten“ widmet sich Communicatio Socialis diesem aktuellen Thema und untersucht die Chancen und Herausforderungen der verschiedenen Phänomene der Online-Kommunikation und was die hierbei entstehenden digitalen Öffentlichkeiten charakterisiert.

Die Beiträge im Heft

Durch welche Mechanismen das deliberative Potential digitaler Öffentlichkeiten bedroht werden kann, legen Tim Schatto-Eckrodt et al. in ihrem Beitrag „Information Warfare und Desinformation“ dar. Unter „Information Warfare“ versteht man in der Regel gezielte Desinformationskampagnen, wobei eine engere Definition speziell digitale Kommunikation in den Fokus nimmt. Die Strategien der Akteure von Desinformationskampagnen werden anhand einer aktuellen Fallstudie eindrücklich illustriert. In dieser wird untersucht, wie die Twitter-Kommunikation über den „35. Chaos Communication Congress“ manipuliert werden sollte.

Mit Partizipationsprozessen setzt sich der Beitrag „(K)einGrund zur Panik?“ von Wolf J. Schünemann auseinander. Aus einem – wie er schreibt – empirisch-kritischen Blick auf die Sorgen um die demokratischen Auseinandersetzungen im digitalen Zeitalter heraus überprüft der Autor aktuelle Krisendiagnosen. Hierbei stehen die Phänomene Social Bots, Echokammern und Hate Speech im Zentrum. Die Studie zur Online-Kommunikation im deutschen Bundestagswahlkampf 2017 des Verbundprojekts „Wahlkampf in (a)sozialen Netzwerken“ dient als Ausgangspunkt für die weiterführende Analyse, deren Ergebnisse der medialen Debatte gegenübergestellt werden, um einzuschätzen, inwieweit sich die Thesen und Kontextualisierungen zum jeweiligen „Krisen-Begriff“ stützen lassen. Zuletzt nimmt der Beitrag kritisch dazu Stellung, inwieweit sich erhöhte politische Regulierungsmaßnahmen von Online-Diskursen konstruktiv für eine liberal demokratische Debatte auswirken können.

„Was algorithmische Personalisierungsprozesse prägt“ analysiert abschließend Martina Skrubbeltrang Mahnke. Neben anderen Forschungsrichtungen stellt ihr Beitrag den Ansatz vor, Algorithmen als netzwerkähnliche Strukturen zu betrachten. Im Mittelpunkt steht hierbei die konkrete Interaktionsbeziehung zwischen Algorithmus und Nutzer_in, die der Beitrag auch empirisch in den Blick nimmt. Mittels einer strukturierten Inhaltsanalyse prüft sie hierbei drei Dimensionen der Algorithmus-Nutzer-Kommunikation: eine strategische, eine narrative, sowie eine interaktive. Mahnke spricht sich dafür aus, Möglichkeiten ins Auge zu fassen, wie Nutzer_innen als Handlungsträger_innen befähigt werden können, aktiv und mitbestimmend an Personalisierungsprozessen zu partizipieren.

Aufsätze

Den medienethischen Fragestellungen der weit verbreiteten Praxis der Autorisierung von Interviews widmen sich Sonja Nowack und Klaus Meier in ihrem Artikel „Autorisierung von Interviews“. In einer explorativen Studie mit Leitfadengesprächen mit Journalist_innen und PR-Fachleuten sowie inhaltsanalytischen Vergleichen von Interviews vor und nach der Autorisierung wurde untersucht, wie Autorisierungsprozesse bei journalistischen Interviews ablaufen und welche Veränderungen am Original-Text vorgenommen werden. Aus den Ergebnissen werden Handlungsempfehlungen abgeleitet. Der Artikel ist kostenfrei über die Nomos eLibrary über diesen Link abrufbar.

Wer hilft bei Liebeskummer? Dass Internetforen durchaus eine Hilfe sein können und bei der Bewältigung von Liebeskummer unterstützen, beschreibt Julia Hünniger in ihrem Beitrag „Bei Liebeskummer: Hilfe im Netz?“. Auf Basis einer Forenanalyse, einer Online-Befragung und problemzentrierter Interviews untersucht sie die Qualität sozialer Unterstützung in Liebeskummerforen.

Ab sofort sind die einzelnen Artikel online verfügbar:
https://www.nomos-elibrary.de/10.5771/0010-3497-2019-2-141/titelei-inhaltsverzeichnis-jahrgang-52-2019-heft-2?page=1

Selbstverständlich erscheint die Ausgabe, wie gewohnt, auch in gedruckter Form.

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