Zum aktuellen Heft: Thema „Ethik auf dem Bildschirm“

Blut, Gewalt und Tod: Was in der Realität für Entsetzen sorgt, sorgt im Kino für kurzweilige Unterhaltung. Schließlich ist die Kugel auf dem Bildschirm für die Fernsehzuschauer ungefährlich. Dennoch hinterlässt das Gesehene natürlich seine Spuren: Filme lassen uns lachen, lassen uns weinen, wecken unser Mitgefühl. Kein Wunder, dass Filme – wie jüngst der im Oktober 2019 angelaufene „Joker“ (Todd Philipps) – immer wieder für Kontroversen sorgen. Auf der einen Seite hat die Inszenierung und die schauspielerische Leistung des Hauptdarstellers Joaquin Phoenix die Kritiker begeistert. Auf der anderen Seite verstören die unverstellt gezeigte Brutalität, ihr Entstehen und die Parallelen zu unserer Gesellschaft.

Egal, welche der beiden Positionen man einnimmt – deutlich wird: Filme lassen niemanden kalt. Sie fordern nach einer Haltung. Kein Wunder also, dass Film und Fernsehen ein zentraler Betrachtungsgegenstand der Medienethik sind – und das nicht nur dann, wenn es um Gewaltdarstellungen geht. Höchste Zeit also, dass Communicatio Socialis der Ethik auf dem Bildschirm einen Schwerpunkt widmet.

Die Beiträge im Heft

Den verschiedenen grundsätzlichen medienethischen Problemen und Herausforderungen im Film widmet Thomas Bohrmann den ersten Aufsatz des Schwerpunktes. Er nimmt darin die wichtige perspektivische Unterscheidung von „Ethik des Films“ (dazu gehört für ihn beispielsweise die Auseinandersetzung mit Gewaltdarstellungen) und „Ethik im Film“ (also die filmische Auseinandersetzung mit ethischen Problemen) vor.

Alexander Godulla rückt in seinem Beitrag „Geliebtes Monster“, der über die eLibrary kostenfrei abrufbar ist (https://doi.org/10.5771/0010-3497-2019-4-431), das Publikum in den Fokus: Er präsentiert zwei empirische Studien, die Beziehungen zu fiktionalen Charakteren in Serien untersuchen. Dabei geht es u. a. um die Frage, ob solche parasoziale Beziehungen die Zustimmung zu ethisch bedenklichem Verhalten von Serienfiguren begünstigen.

Mit dem Zusammenhang von Genderrepräsentation und Geschlechterverteilung im Kinderfernsehen beschäftigt sich Maya Götz. Sie kann zeigen, dass es einen deutlichen Unterschied macht, ob Männer oder Frauen Geschichten für das Kinderfernsehen kreieren. Produkte von Frauen unterscheiden sich von denen ihrer männlichen Kollegen nicht nur in den dargestellten Frauenfiguren, sondern auch in den Punkten Realitätsnähe und Konfliktlösung.

Peter Hasenberg und Thomas Henke nehmen schließlich das Verhältnis von Kirche bzw. Religion und Film in den Blick. Während Hasenberg aufzeichnet, wie sich das Verhältnis der katholischen Kirche zum Film von einer Abwehrhaltung hin zu einer das Potenzial des Genres anerkennenden und nutzenden Haltung gewandelt hat, beschäftigt sich Henke mit Gottesdarstellungen im Film. Anhand zahlreicher Beispiele aus der Filmgeschichte entwickelt er sechs Kategorien der Darstellung und weist so auf wichtige Unterscheidungsmerkmale hin.

Ab sofort sind die einzelnen Artikel online verfügbar:
https://www.nomos-elibrary.de/10.5771/0010-3497-2019-4/comsoc-communicatio-socialis-jahrgang-52-2019-heft-4

Selbstverständlich erscheint die Ausgabe, wie gewohnt, auch in gedruckter Form.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.