„Sicherheit & Information“ Ausgabe 1/2026

„Sicherheit & Information“ Ausgabe 1/2026

Zum aktuellen Heft: Thema „Sicherheit & Information“

Was bedeutet Sicherheit? Geht es um Frieden? Um finanzielle Absicherung? Um Datensicherheit? Es gibt viele Dimensionen von Sicherheit und das Thema ist so aktuell wie nie, wie aktuelle politische und gesellschaftliche Debatten zeigen: Die Reform des Wehrdiensts in Deutschland soll uns außen- und sicherheitspolitische Sicherheit verschaffen. Das mögliche Social-Media-Verbot für jüngere Menschen wird als erhöhte Sicherheit im digitalen Umfeld diskutiert. Und aktuelle Beispiele zeigen, dass Journalist:innen nicht nur körperlich, sondern auch auf Basis der Informations- und Kommunikationssicherheit im Visier verschiedener Akteure stehen.

Die neue Ausgabe von Communicatio Socialis blickt genauer auf diese aktuellen Beispiele und holt verschiedene fachliche Perspektiven zum Thema „Sicherheit & Information“ ein. Auf den offenen Call for Papers im Sommer antworteten sehr viele Kolleg:innen aus Wissenschaft und Praxis mit Ideen, Fragen und Anregungen. Das zeigt deutlich: Diese Themen beschäftigen uns nicht nur fachlich, sondern auch emotional.

Die Beiträge im Heft
Der Auftakt für unsere aktuelle Ausgabe kommt von Christina Holtz-Bacha, die genauer auf die Entwicklungen in den USA blickt. Dort galt das Mediensystem einst als das freieste in der Welt. Heute bewerten wir das (nicht nur aus deutscher Perspektive) anders. Von Jahr zu Jahr fallen die USA in den Rankings für Pressefreiheit weiter ab. Der Trend verschärft sich mit der medienfeindlichen Politik der Regierung Trump, die USA haben ihren Modellcharakter für eine gute Pressefreiheit verloren. Wie steht es um uns in Europa? Auch hier ist die Pressefreiheit trotz solider Bewertungen in der bekannten Rangliste gefährdet. Was heißt das für unsere Sicherheit im Kontext guter und valider Information? Der Beitrag blickt auf das journalistische Arbeiten unter vielfältigem Druck und verfolgt die jüngere Entwicklung der Pressefreiheit in den USA und in den EU-Staaten, die sich der transatlantischen Einflussnahme auf ihre Medienpolitik nur schwer werden entziehen können.

Diese Vorlage nehmen Volker Lilienthal, Viviane Schönbächler und Jannis Frech im zweiten Beitrag auf. Das Trio untersucht medienethische Standards im Kontext von Cyberangriffen und ubiquitärer Überwachung. Ausgangspunkt ist der Quellenschutz als unverhandelbare Basis des journalistischen Handwerks. In der Forschung ist dieser Aspekt aber mindestens unterrepräsentiert. Der Beitrag geht diese Lücke an und skizziert die verschiedenen Dimensionen des Quellenschutzes. Auf der Grundlage von Beobachtungen und Leitfaden-Interviews zeigt sich das spannende Zusammenspiel von Management, Recherche und IT-Sicherheit. Daraus entstehen auch (medien)ethische Herausforderungen.

Melanie Verhovnik-Heinze und Liane Rothenberger beschreiben dazu zunächst die spezifischen sicherheitssensiblen Kontexte der journalistischen Tätigkeit, insbesondere die Kommunikation mit schutzbedürftigen Quellen. Auf Basis von verschiedenen Konstellationen aus dem journalistischen Alltag präzisieren die Autorinnen den Begriff der sicherheitssensiblen Quelle. Sie plädieren für (mehr) Aufmerksamkeit zugunsten möglicher Konsequenzen beruflichen Handelns in sicherheitssensiblen Kontexten. Dabei sind sowohl die physische, psychische wie auch digitale Sicherheit zu berücksichtigen. Aber auch in der Gesellschaft selbst ist diese medienethische Dimension ein entscheidendes Handlungsfeld.

Hektor Haarkötter und Mariana Ochoa-Moreno schreiben über medienethische Leerstellen in der Sicherheitskommunikation. Sie sehen darin das „Phänomen der digitalen Naivität als strukturell bedingte Fehleinschätzung eigener digitaler Kompetenzen“ und nennen dabei insbesondere vulnerablen Gruppen als bisher kaum beachtetes Diskussionsfeld. Das Duo erklärt, dass Cybersicherheit nicht nur ein technisches, sondern auch ein medienethisches Problem ist, das durch mangelnde Bildung, sprachliche Barrieren und gesellschaftliche Diskurse verstärkt wird. Die Folge: Digitale Naivität ist ein eigenständiges Sicherheitsrisiko und erschwert die Entwicklung wirksamer Schutzstrategien. Die Autor:innen plädieren daher für gezielte Bildungsmaßnahmen und eine stärkere medienethische Reflexion in der Sicher- heitskommunikation.

Ein weiteres zentrales Problem im Themenfeld bearbeitet Anna Sophie Kuschezki. Sie liefert eine explorative Studie zu individuellen, redaktionellen und rechtlichen Maßnahmen gegen digitale Gewalt an Journalistinnen. Auf Basis von Leitfadeninterviews mit betroffenen Journalistinnen zeigt der Beitrag explorativ, wie in Redaktionen mit gender-spezifischer digitaler Gewalt umgegangen wird, welche persönlichen Strategien die Betroffenen anwenden und ob rechtlich gegen Täter:innen vorgegangen wird. Die zentralen Erkenntnisse: Journalistinnen begegnen digitaler Gewalt in erster Linie mit persönlichem Coping, nehmen
die Unterstützung durch ihre Redaktionen aber insgesamt als zufriedenstellend wahr. Dennoch bleibt ein großes Problem: Rechtliche Maßnahmen erweisen sich insbesondere für freie Journalistinnen als schwierig. Nicht nur deshalb sind Stresssicherheit und Empowerment zu Schlagwörtern der Diskussion geworden.

Marlis Prinzing nimmt diese und weitere Aspekte auf und blickt auf die Verantwortung für und im Journalismus: Wie meistern Journalist:innen Belastungen, informieren sich in Ausnahmesituationen, wie begegnen sie Betroffenen und stärken deren Bewältigungskompetenz? Zur Beschreibung des Ist-Zustands und Defiziten liefern die qualitativen Interviews mit Journalist:innen und Psycholog:innen wertvolle Erkenntnisse: Es besteht individueller und organisatorischer Nachholbedarf an Basiswissen für schwierige Sicherheitslagen – etwa zu ethischen Abwägungen, Warnketten und Stressbewältigung. Vielfach fehlen außerdem Strukturen und Konzepte, wie psychologische Kenntnisse in diesen Bereichen die Stress- und Kri-senkompetenz stärken.

Den Abschluss des Schwerpunkts macht Birgit Stöber mit einem Beitrag unter dem Titel „Grönland im hybriden Mediensystem“. Sie blickt auf die visuelle Inszenierung von Sicherheit, die unter den aktuellen weltpolitischen Entwicklungen, deren Dynamik und Dramatik seit den 2025 verschärft geäußerten Interventionen aus den USA stark zugenommen hat. Im Beitrag liegt der Fokus auf der Analyse von Nachrichtenbildern und deren ikonographischer Bedeutung sowie dem medienethisch herausfordernden, komplexen Wechselspiel zwischen politischen Akteur:innen und einem hybriden Mediensystem.

Ergänzend dazu freuen wir uns über zwei spannende Beiträge in unseren festen Rubriken:

Lars Rademacher beschreibt die wichtigsten Dimensionen des Grundbegriffs „Public Relations (PR)“. Der Beitrag von Markus Beckedahl in der Rubrik „zuRechtgerückt“ ist online kostenfrei abrufbar. Darin schreibt er über „Jenseits der Plattformlogik. Wege zu demokratischen digitalen Öffentlichkeiten“. Die Aufsätze von Felix Krebber zu „Verantwortung in Strategischer Geschichtskommunikation“ (peer-reviewed), Ingrid Stapf und Jana Hecktor zu „Digital Wellbeing von Kindern“ und Michael Jäckel über „Religion, Vernunft und das Allumfassende“ sowie die traditionelle Literaturrundschau schließen die Ausgabe ab.

Ab sofort sind die einzelnen Artikel online verfügbar.
https://doi.org/10.5771/0010-3497-2026-1
Selbstverständlich erscheint die Ausgabe, wie gewohnt, auch in gedruckter Form.

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