„Zukunft der Medien & Plattformen“ Thema der Communicatio Socialis Heft 3/2026

„Zukunft der Medien & Plattformen“ Thema der Communicatio Socialis Heft 3/2026

„Die Zukunft gehört denen, die an die Schönheit ihrer Träume glauben“, soll die US-amerikanische Menschenrechtsaktivistin Eleanor Roosevelt einmal gesagt haben. Dieser Satz ist ein Appell an uns, groß zu denken (zu träumen) und diese Träume am Wünschenswerten (schön sollen die Träume sein) auszurichten. Er macht Mut, Hoffnung und Lust auf die Zukunft.
Damit steht er in krassem Gegensatz zu den jüngsten Aussagen von KI-Entwickler:innen, die eine sehr düstere Zukunft prophezeien. Eine Zukunft, in der das schädliche Potenzial ihrer Technologie jedes menschliche Hoffen auf und jegliches Träumen von Zukunft vernichten könnte. Ist die Büchse der Pandora nun wirklich geöffnet? Niemand weiß es. Denn das Wesensmerkmal der Zukunft ist die Ungewissheit.
Ungewissheit ist aber auch der Motor der Wissenschaft. Der Versuch, Prognosen über zukünftige Entwicklungen abzugeben, kennzeichnet wissenschaftliche Theorien. Und so wagen wir mit dieser neuen Ausgabe von Communicatio Socialis einen (wissenschaftlich fundierten und hoffentlich nicht zu dystopischen) Blick in die Zukunft der Medien und Plattformen.

Die Beiträge im Heft

Den Auftakt bildet ein theoretischer Aufsatz von Pascal Schneiders, der über Inlibra kostenfrei abrufbar ist. Der Autor hat einen integrativen Theorierahmen zur Plattformisierung des Nachrichtenökosystems arbeitet und zeigt, dass die Entwicklung der Plattformisierung eine Gefahr für demokratische Gesellschaften und ihre entsprechenden Vorstellungen von Öffentlichkeit darstellen.
Megan Hanisch, Nicolas Even und Marc-Christian Ollrog beschäftigen sich in ihrem Beitrag mit den Fragen, wie Plattformisierung, Digitalisierung, Künstliche Intelligenz (KI) sich auf den Journalismus in Deutschland auswirken und wie Medienorganisationen auf diese Entwicklungen reagieren. Der Beitrag fußt auf einer quantitativen Onlinebefragung und ergänzenden qualitativen Leitfadeninterviews. Die Autor:innen kommen unter anderem zu dem Schluss, dass Plattformisierung, datenbasierte Ökonomisierung und KI sich unmittelbar auf journalistische Arbeitsweisen, vor allem die Recherche, Selektion und Präsentation von Inhalten, auswirkt. Der Journalismus insgesamt reagiert also mit Anpassung auf die beschriebenen technologie-induzierten Veränderungen.
Welche Konsequenzen hat die Einbindung von Künstlicher Intelligenz in journalistische Arbeitsprozesse? Wie wirkt sie sich auf journalistische Qualität aus? Bedarf es möglicherweise weiterer Kriterien, um journalistische Qualität unter diesen neuen Arbeitsbedingungen zu bestimmen? Mit diesen relevanten Fragen beschäftigt sich Lukas Kick in seinen medienethischen Perspektiven auf Authentizität und künstliche Intelligenz im Journalismus.
In die Zukunft der Medien blickt auch Patrick Rupert-Kruse. Er entwickelt das Konzept einer Avatar-AisthEthik, die untersucht, wie immersive Systeme den Leibkörper sensorisch-algorithmisch in einen Datenkörper übersetzen.
Die Social-Media-Plattform Mastodon gilt vielen als mögliche Zukunft Sozialer Medien. Jeffrey Wimmer fragt in seiner qualitativen Befragungsstudie, wie sich die Plattform in den Alltag integriert, welche Interaktionsformen dominieren und welche Themen und Werte die Nutzung prägen. Sein Fazit: Mastodon hat das Potenzial, Konfliktdynamiken zu reduzieren, es trägt jedoch auch zur Fragmentierung von Kommunikationsräumen bei.
Vor welchen Herausforderungen stehen der Journalismus allgemein und die öffentlich-rechtlichen Medien (ÖRM) im Besonderen? Wie reagieren die ÖRM auf die Herausforderungen? Welche Rolle spielt hierbei Innovation? Darum geht es im Interview von Korbinian Klinghardt mit Vanessa Wormer dar. Sie leitet das SWR X Lab beim Südwestrundfunk und spricht über die Entwicklung und Bedeutung von Innovation und die Durchführung von Innovationsprozessen in öffentlich-rechtlichen Medien.
Den Abschluss des Themenschwerpunkts bilden die Innenansichten von Alexander von Streit. Der Autor stellt das Projekt „Media Rewilding“ vor, das untersucht, wie Journalismus mit Live-Events und Dialogangeboten Journalismus erfahrbar macht und die (analogen) Beziehungen zu seinen Publika wieder stärkt.
In der Rubrik „Grundbegriffe der Kommunikations- und Medienethik (Teil 45)“ beschäftigt sich Franzisca Weder mit Nachhaltigkeit. Julia Stüwe und Juliane Wegner diskutieren in der Rubrik „zuRechtgerückt“ die medienethische Verantwortung zwischen Lokaljournalismus und Social Media, wenn es um Fälle schwerer Gewalt gegen Kinder geht. Tom Zinram betrachtet in seinem Aufsatz digitale und traditionelle Medien als Räume sozialer Teilhabe für Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung. Die beiden abschließenden Beiträge widmen sich der Kommunikation in Religion und Gesellschaft. Max Tretter und Yannick Schlote versuchen, christliche KI-Kurzvideos zu systematisieren und entwickeln dabei drei heuristische Deutungsweisen. Ilona Nord und Kerstin Radde-Antweiler geben einen interdisziplinären Überblick über Forschungsdiskurse zu Agency, Religion und Digitalisierung in verschiedenen Sozial- und Geisteswissenschaften. Abgeschlossen wird die Ausgabe traditionell mit der Literaturrundschau.
Ab sofort sind die einzelnen Artikel online verfügbar.
https://www.inlibra.com/de/journal/view/issn/0010-3497
Selbstverständlich erscheint die Ausgabe, wie gewohnt, auch in gedruckter Form.

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