„Grenzgänger des Journalismus“: Ausgabe 1/2022

„Grenzgänger des Journalismus“: Ausgabe 1/2022

Zum aktuellen Heft: Thema „Grenzgänger des Journalismus“

Welche Bilder haben Sie im Kopf, wenn Sie an den Beruf „Journalist:in“ denken? Vielleicht die rasende Reporterin mit Fotoapparat, Block und Stift? Oder den Fernsehjournalisten, der in der „Tagesschau“ zugeschalten wird? Tatsächlich war der Beruf schon immer facettenreicher als diese Stereotype – aber wahrscheinlich war es nie so diskutabel wie heute, was Journalismus ist und was nicht. Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Communicatio Socialis begibt sich daher auf eine Spurensuche: Auf eine Spurensuche zu den Grenzgängern des Journalismus.

Denn: Journalistische Inhalte zeigen sich heutzutage in den unterschiedlichsten Facetten und werden auch von Menschen ohne journalistischen Background gestaltet. Da sind Influencer:innen wie Louisa Dellert, die Spitzenpolitiker:innen interviewt und ihre Follower:innen über umweltpolitische Fragen informiert. Da sind Wissenschaftler:innen wie Christian Drosten und Sandra Ciesek, die in den letzten beiden Jahren mit ihrem Podcast „Coronavirus-Update“ eine der reichweitenstärksten Stimmen im Journalismus waren. Da sind Unterhaltungsprofis wie Joko und Klaas, die sich mit Albernheiten 15 Minuten Sendezeit bei „ProSieben“ erspielen – und diese füllen mit Beiträgen über sexualisierte Gewalt oder die Herausforderungen der Pflege. All das sind vielleicht keine Journalist:innen, wohl aber Grenzgänger des Journalismus.

Die Beiträge im Heft

Zum Einstieg betrachtet Christian Schwarzenegger die historischen Grenzverschiebungen im Journalismus. Er identifiziert vier Aspekte in den wiederkehrenden Debatten um die Eingrenzung des Journalistischen: die Grenzen des Machbaren, die Grenzen der Zugehörigkeit, die Grenzen der Zuständigkeit und die Grenzen des Zulässigen.

Im zweiten Beitrag widmen sich Lina Stürmer et al. einer der klassischen Grenzdebatten, nämlich der zwischen Journalismus, PR und Werbung. Durch die Zunahme hybrider Kommunikationsformen – auf journalistischer Seite namentlich Sponsored Content und Native Advertising, auf Seiten der Unternehmens-PR Corporate Publishing – erfährt diese Debatte neue Brisanz.

Für ein bewusstes Über-die-Grenzen-Blicken wirbt Britta M. Gossel in ihrem Aufsatz zum Forschungsfeld Entrepreneurial Journalism. Sie zeigt auf, dass der junge Begriff in der Journalismusforschung kaum systematisch erschlossen ist und die Kommunikationswissenschaften begrenzte Perspektiven hat.

Interdisziplinäre Grenzübertritte in der Forschung empfehlen auch Christian-Mathias Wellbrock und Christopher Buschow hinsichtlich der Plattformisierung des Digitaljournalismus. Plattform-, medien- und informationsökonomische Theorieansätze unterstützen aus Sicht der Autoren ein differenziertes Verständnis. Das wiederum mache den Blick frei auf die großen Potentiale, die in journalistischen Plattformen stecken – sofern diese nach journalistischen und demokratischen Maßstäben gestaltet und nicht nur von Branchenexternen betrieben werden.

Stefanie Molthagen-Schnöring widmet sich in ihrem Beitrag journalistischen Grenzgängern wie Christian Drosten und Melanie Brinkmann: In der Corona-Pandemie waren Wissenschaftler:innen medial präsent wie nie zuvor und übernahmen zentrale Funktionen des Journalismus wie Information und Aufklärung. Dieser Beitrag ist über die Nomos-eLibrary (doi.org/10.5771/0010-3497-2022-1-57) kostenfrei zugänglich.

Dass aus der Wahrnehmung einer Grenze unterschiedliche Konsequenzen gezogen werden können, zeigt ein Blick auf die Ausbildung von Kommunikator:innen an Hochschulen. Seit Jahren stehen sich zwei „Schulen“ gegenüber: Einerseits die Verfechter einer klaren Trennung von Journalismus und PR in Studiengängen, andererseits die Unterstützer eines integrativen Ansatzes. Hier kommen beide Seiten mit ihren Beweggründen zu Wort: einerseits Claudia Nothelle von der Hochschule Magdeburg-Stendal, andererseits ein Team um Ralf Hohlfeld von der Universität Passau.

Zuletzt stehen in unserem Schwerpunkt Darstellungsformen und Erzählweisen im Fokus, die die Grenzen klassisch journalistischen Erzählens bewusst und sehr erfolgreich überschreiten. Beide konzentrieren sich auf eine junge Zielgruppe und nutzen daher die Plattform Instagram. Das ehrenamtlich betreute Projekt „youmocracy“ widmet sich politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Themen. Der Kanal „ichbinsophiescholl“, ein Projekt des SWR und BR, zeigt die letzten Monate von Sophie Scholl aus der Selfie-Perspektive und gibt Einblicke in die NS-Zeit.

Ab sofort sind die einzelnen Artikel online verfügbar.

Selbstverständlich erscheint die Ausgabe, wie gewohnt, auch in gedruckter Form.

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