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Neue Ausgabe 3/2017 von Communicatio Socialis zum Thema Medien und Emotionen erschienen


Zum aktuellen Heft: Thema Medien und Emotionen
Was fällt uns als erstes ein, wenn wir uns an die letzte Tagesschau, an die letzten Radio-Nachrichten zur vollen Stunden, an die Zeitung von gestern, erinnern sollen? Dass es nicht die eigentlichen Inhalte der Berichterstattung sind, die auf längere Sicht im Gedächtnis verbleiben, sondern vielmehr die emotionalen Eindrücke, das wurde bereits in den 1970er-Jahren wissenschaftlich belegt. Eine gefühlsbetonte Berichterstattung kommt entsprechend beim Publikum an.  Sie beeinflussen, wie wir Informationen aufnehmen und was wir mit ihnen machen und nicht zuletzt auch, was Informationen mit uns machen und sind damit aus medienethischer Perspektive ein relevanter Gegenstand.  Und das gerade in emotional aufgeregten Zeiten von „Wutbürgern“, „Shitstorms“ und „Hatespeech“. Communicatio Socialis widmet sich daher im aktuellen Schwerpunkt „Emotionen und Medien“ diesem facettenreichen Thema.

Die Beiträge im Heft
Medien und Emotionen: Wie hängen diese beiden Phänomene eigentlich aus medienpsychologischer Sicht zusammen? Bevor im neuen Heft auf das eigentliche Schwerpunktthema eingegangen wird, gibt Frank Schwab einen Überblick über die Grundlagen des Themas und verweist hierbei auch auf aktuelle Ansätze, die den neuen Interaktionsformen im digitalen Raum gerecht zu werden versuchen.
Die beiden Folgebeiträge zeigen auf, welche Bedeutung die Digitalität für das Thema hat: In ihnen beschäftigen sich Kai Hafez und Marlis Prinzing, mit den Themenkomplexen „Hass im Netz“ und „Cybermobbing“. Dass auch Kriminalitätsfurcht eine Folge der Medienrezeption sein kann, wird dagegen in Melanie Verhovniks Beitrag deutlich. Doch Emotionalität in den Medien bietet auch positive Impulse: So zeigt Manuel Menke etwa auf wie sich im Netz Erinnerungsgemeinschaften online vernetzen und so einen emotionalen Zugang zu einer gemeinsamen Vergangenheit teilen. Auch in dem Bildungs-Projekt „#uploading_holocaust“, das Hannah Kappes im Gespräch mit Susanne Wegner vorstellt, wird versucht, durch einen emotionalen Zugang Vergangenheit zu vermitteln. Wie Emotionen evoziert werden können und welche Bedeutung sie für die Medien haben, verdeutlicht Otto Kettmann in seinem Beitrag, wobei er auch die Gefahr eines tiefgehenden Vertrauensverlustes durch das Schüren negativer Emotionen in gesellschaftsrelevante Institutionen aufzeigt.

Ab sofort sind die einzelnen Artikel online verfügbar.
Selbstverständlich erscheint die Ausgabe, wie gewohnt, auch in gedruckter Form.

Neue Ausgabe 2/2017 von Communicatio Socialis zum Thema Jugend und Politik erschienen

Zum aktuellen Heft: Thema Jugend und Politik
Die heutige Jugend – eine Jugend ohne Politik? Zumindest der Blick auf die vergangenen Wahlbeteiligungen könnte einen solchen Eindruck vermitteln: Seit 1953 ist die Wahlbeteiligung bei der älteren Bevölkerung wesentlich höher, als die der jüngeren.
Dass das Thema komplexer ist, zeigt der Blick auf die aktuelle Shell-Jugendstudie, die eine Trendwende verzeichnet. So bezeichneten sich 2015 immerhin 11 % mehr als politisch interessiert als noch 2002. Worin liegt dieser scheinbare Widerspruch begründet? Eine mögliche Antwort gibt die Jugendstudie der Friedrich-Ebert-Stiftung von 2015, die vor allem einen Vorbehalt der Jugendlichen gegenüber traditionellen Akteuren der Politik verzeichnet.
Brexit, Donald Trump und das Widererstarken des Rechtspopulismus: Die Herausforderungen der Demokratie könnten ein Weckruf für die junge Generation sein, sich auch in die institutionelle Politik einzubringen. Damit würde die Jugend nicht nur sich selbst dienen, sondern der gesamten Gesellschaft – denn die Jugend von heute ist der Träger der Demokratie von morgen.
Gerade mit Blick auf die Bundestagswahl im Herbst 2017 haben wir uns daher entschieden, in der aktuellen Ausgabe das Thema junge Menschen und politische Beteiligung zu unserem Schwerpunkt zu machen.

Die Beiträge im Heft

Zum Auftakt lotet Thilo Hagendorff die medialen Potentiale von Partizipation aus. Im Fokus steht dabei, welche Rolle klassische und insbesondere neue Medien für die politische Sozialisation junger Menschen spielen. Die politische Information durch Medien steht in den darauffolgenden Beiträgen im Mittelpunkt. Katrin Geier und Klaus Meier untersuchten mit einer quantitativen Online- Befragung, wie junge Erwachsene politische Video-Nachrichtenformate wahrnehmen. Christa Gebel befasst sich mit der Nutzung von Online-Medien für politische Information und Beteiligung durch politisch interessierte Jugendliche.
Wie digitale Jugendbeteiligung konkret funktionieren kann, zeigt Daniel Poli von der Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland (IJAB) an zwei E-Partizipationsprojekten auf.
Eine weitere Perspektive aus der Praxis liefert der Politikberater Erik Flügge im Interview. Er berät Städte und Gemeinden bei der Entwicklung und Umsetzung von Jugendpartizipationsprojekten. Zur Abrundung des Themenschwerpunktes kommen zwei junge Menschen zu Wort: Johanna Uekermann und Paul Ziemiak sind die Bundesvorsitzenden der Jugendorganisationen der SPD und der CDU/CSU. In ihren Beiträgen erzählen sie, warum sie tun, was sie tun und wie sie auch andere junge Menschen zur politischen Partizipation motivieren möchten.

Ab sofort sind die einzelnen Artikel online verfügbar.
Selbstverständlich erscheint die Ausgabe, wie gewohnt, auch in gedruckter Form.

Sonderheft zum 50. Jahrgang erschienen: Soziale Kommunikation im Wandel

Unser Jubiläumsband zum 50. Jahrgang der Zeitschrift „Communicatio Socialis“ päsentiert mit einer bilanzierenden Einleitung fünf Beiträge aus einem halben Jahrhundert „Communicatio Socialis“, die für die Kontinuitäten und Veränderungen der Zeitschrift stehen. Themen sind allgemeine und konkrete ethische Fragen des Medienbereichs, wie etwa Journalistische Berufsethik und Scripted Reality, sowie Herausforderungen im Bereich Kirche und Gesellschaft, so zum Beispiel Probleme und Chancen in der Verständigung zwischen den Religionen.

Weiterhin bietet der Band kompakte Beiträge zu sechs Grundbegriffen der Medienethik, die für die Arbeit im Feld der Medienethik eine hilfreiche Orientierung darstellen.

Weitere Informationen auf dem Flyer oder auf der Verlagswebsite.

Soziale Kommunikation im Wandel
50 Jahre Medienethik und Kommunikation in Kirche und Gesellschaft
Communicatio Socialis – Sonderband
Herausgegeben von Prof. Dr. Klaus-Dieter Altmeppen, Prof. Dr. Alexander Filipović, und Dr. Renate Hackel-de Latour.
2017, 163 S., brosch., 39,– € (für Bezieher der Zeitschrift im Rahmen des Abonnementes 29,25 €), ISBN 978-3-8487-4035-2, eISBN 978-3-8452-8335-7

Neue Ausgabe (01/17) von Communicatio Socialis zum Thema Gemeinwohl und Kommunikation erschienen

Zum aktuellen Heft: Thema Gemeinwohl
Mit dem Begriff Gemeinwohl greifen wir in diesem Heft ein ethisch zentrales Thema auf. Allerdings ist die Sache recht schwer fassbar. Aber wir glauben ein spannendes Heft mit lesenswerten Beiträgen zusammengestellt zu haben. Es vereint – auf der grundsätzlichen Ebene – einen Überblick zum Thema und Begriff Gemeinwohl mit einem Beitrag zur speziellen Verdichtung als Public Value im Kontext aktueller Debatten. Hinzu stoßen Erörterungen des Gemeinwohls aus bestimmten Blickwinkeln, in diesem Fall dem des Journalismus und seiner Finanzierung und der Medienunternehmen und ihrer gesellschaftlichen Verantwortung. Abgerundet wird der Schwerpunkt mit programmatischen Aussagen von Programmverantwortlichen öffentlich-rechtlicher und privat-kommerzieller Sender sowie Aufsichtsgremien. Auf diese Weise trägt Communicatio Socialis zur Bestimmung von Gemeinwohl bei.

Ab sofort sind das Heft sowie die einzelnen Artikel online verfügbar.
Selbstverständlich erscheint die Ausgabe, wie gewohnt, auch in gedruckter Form.

In eigener Sache: Wandel und Konstanz
Vor nicht allzu langer Zeit, im Jahr 2013, hat Communicatio Socialis einen umfassenderen Wandel in Form eines Relaunchs vollzogen. Damals haben wir die im Grunde schon bestehende Fokussierung auf medienethische Themen festgeschrieben, ab dato deutlich sichtbar im Untertitel: Zeitschrift für Medienethik und Kommunikation in Kirche und Gesellschaft.

Daran hat sich jetzt, beim nächsten größeren Wandel, nichts geändert:
Die wesentlichen inhaltlichen, formalen und strukturellen Merkmale, die die Zeitschrift ausmacht, bleiben erhalten.

Der aktuelle Wandel zeigt sich am auffälligsten in den organisatorischen Strukturen: Seit dem 1. Januar 2017 verantwortet Nomos die verlagsseitig notwendigen Abläufe, die
Publikationen brauchen. Zugleich wird Communicatio Socialis Unterstützung durch das Zentrum für Ethik der Medien und der digitalen Gesellschaft (zem::dg) bekommen, das im November 2016 in München offiziell seine Arbeit begonnen hat. Weiteres dazu lesen Sie im Editorial unserer neuen Ausgabe.

Wechsel zum Nomos-Verlag

Unsere Zeitschrift wird ab Heft 1/2017 von Nomos verlegt. Die Herausgeber erläutern die Gründe für den Wechsel.

comsoUnsere Zeitschrift hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Mit dem Fokus auf medienethische Fragen und der Umstellung auf Themenhefte ist Communicatio Socialis deutlich attraktiver geworden – das entnehmen wir vielen Rückmeldungen und auch der Entwicklung der Abonnentenzahlen. Zu dieser Weiterentwicklung gehört auch eine professionelle E‐Journal‐Plattform, die sich seit ihrem Start glänzend entwickelt. Wir haben gemerkt, dass wir mit der bisherigen Struktur im Hinblick auf Geldgeber und Verlag an Grenzen stoßen. Die Finanzierung der Zeitschrift durch die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) bzw. den Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) wurde in den letzten Jahren durch eine Reihe von Auflagen merklich schwieriger.

Wir freuen uns deshalb mitteilen zu dürfen, dass die Finanzierung ab 2017 gesichert ist und dass mit Nomos als neuem Verlag eine erfolgreiche Partnerschaft beginnt. Die Vorteile liegen für Communicatio Socialis auf der Hand: Nomos ist einer der großen Verlage in der Kommunikationswissenschaft mit einem expandierenden Programm zum Thema Ethik, in das Communicatio Socialis gut passt.

In diesem Umfeld betreibt Nomos künftig professionelles Marketing und Vertrieb, was bislang die Herausgeber – weit weniger professionell – getan haben. Sie als Abonnent_in erhalten weiterhin die gedruckte Version von Communicatio Socialis und auch diese Webseite unter www.communicatio-socialis.de bleibt erhalten.

Ebenso wichtig für Sie als Leserinnen und Leser: Wir bleiben unserem Profil der letzten drei
Jahre aus Medienethik einerseits und Kommunikation in Kirche und Gesellschaft andererseits treu.

Was Redaktion und Herausgeber sehr freut ist die Tatsache, dass der Nomos‐Verlag Format und Layout von Communicatio bis auf eine Anpassung der Titelseite beibehält und
auch ansonsten sehr kooperativ in die gemeinsame Zukunft geht. Dies betrifft beispielsweise auch die Preisgestaltung, die für Bestandsbezieher 2017 konstant bleibt. Redaktion und Herausgeber haben bei den Verhandlungen mit dem Verlag die wesentlichen Merkmale erhalten können, die Communicatio Socialis inhaltlich, formal und strukturell auszeichnen. Dazugewonnen haben wir die verlegerische Kompetenz und Erfahrung eines Verlages im Zentrum der Kommunikations‐, Sozial‐ und Geisteswissenschaften. Dem Matthias Grünewald Verlag danken wir für die gute Zusammenarbeit der letzten Jahrzehnte.

Klaus‐Dieter Altmeppen, Andreas Büsch, Alexander Filipović

Neue Ausgabe (04/16) von Communicatio Socialis zum Thema Freiheit der Kommunikation erschienen

comsoc-4_2016-umschlagIch verachte Ihre Meinung, aber ich gäbe mein Leben dafür, dass Sie sie sagen dürfen“, ist ein dem französischen Aufklärer Voltaire zugeschriebener Satz. Die in §19 der Allge- meinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 festgeschriebene Freiheit der Meinung, der Meinungsäußerung und der Presse als grundlegendes Menschenrecht hätte Voltaire sicher bejubelt. Ein freier und unabhängiger Journalismus ist jedoch in vielen Ländern der Welt auch heute nicht Realität. Die aktuelle Publikation der Unesco zu den globalen Trends in der Medienentwicklung „World Trends in Freedom of Expression and Media Development“ (vgl. Unesco 2014) weist auf widersprüchliche Entwicklungen in der internationalen Medienlandschaft hin. Autokratische Tendenzen schränken in vielen Ländern die Freiheit der Medien ein. Dort steht Zensur, aber auch Selbstzensur – als vorauseilender Gehorsam – auf der Tagesordnung. Journalist_innen werden verfolgt, sitzen im Gefängnis oder werden ermordet. Aber nicht nur in Ländern, in denen die kom- munikationsrechtlichen Rahmenbedingungen offensichtlich mit Füßen getreten werden, werden die Medien bei ihrer Informationsarbeit behindert. Auch in freien Gesellschaften ist die Medienfreiheit bedrängt: durch Medienkonzentration, das Vordringen von Public Relations in den Journalismus oder durch neue Technologien, die die Massenüberwachung, wie z.B. in Deutschland mit der Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung, möglich machen. Und: Welche Positionen, Diskurse und Meinungen sich in der maschinell gesteuerten IT-Öffentlichkeit durchsetzen, entscheiden zunehmend intransparente Algorithmen und Roboterprogramme (Social Media Bots).

Medienfreiheit kann nicht verordnet werden, sondern ist ein Grundrecht, dessen Wert jedem Einzelnen bewusst sein muss und das sich alle Glieder der Gesellschaft aktiv aneignen müssen, um sowohl politisch wie sozial verantwortungsvoll handeln zu können. In der aktuellen Ausgabe hat Communicatio Socialis die Freiheit der Kommunikation zum Schwerpunkt gemacht. Eingangs stellt Horst Pöttker zwölf Thesen zur Kommu-nikationsfreiheit im digitalen Zeitalter auf. Einerseits tragen neue Kommu-nikationstechnologien dazu bei, die Vielfalt in der Medienlandschaft zu erhöhen und mehr Menschen Zugang zu Medien zu verschaffen; andererseits bergen sie das Potenzial, dass u. a. in sozialen Netzwerken rechtliche und berufsethische Schranken der Pressefreiheit unterlaufen werden. Erforderlich ist daher ein intensiver öffentlicher Diskurs ebenso wie durch Medienpädagogik gestützte kulturelle Lernprozesse.

In diesem Kontext steht auch der Beitrag von Peter Kirchschläger, der das Spannungsfeld zwischen der Informations- und Meinungsfreiheit einerseits und dem Schutz der Privat- sphäre andererseits durch rassistische und ausländerfeindliche Äußerungen oder Hassrede zunehmend strapaziert sieht. In seinem Lösungsansatz gilt es, die Menschenrechte als einen unteilbaren sozialethischen Referenzrahmen zu begreifen. Wer Informationen verbreitet, muss sich fragen, wie gewissenhaft das geschieht, denn Pressefreiheit ist nicht nur ein Recht sondern auch eine Pflicht. Dazu gehört es, Themen nicht zu vernachlässigen. Dass es aber Mechanismen gibt, die dazu führen, dass bestimmte gesellschaftlich relevante Nachrichten ausgeblendet werden, steht bei Hektor Haarkötter im Fokus. Er befasst sich u. a. mit Agenda Cutting, journalistischem Main- streaming und fehlender Diversity in Medienberufen.

Mit einem Bündel an Aktivitäten reagiert die Nichtregierungsorganisation „Reporter ohne Grenzen“ auf Bedrohungen für die Pressefreiheit. Auf die unterschiedlichen Problemlagen in autoritären Staaten und Transformationsländern geht Christian Mihr ebenso ein wie auf jene in etablierten Demokratien. Komplettiert wird dieser Überblick durch Erfahrungsberichte von sechs Journalistinnen bzw. Mitarbeiterinnen verschiede
ner Medienprojekte. Sie bieten Einblicke in die Arbeitssituation von Journalist_innen in Mali, Mexiko, Myanmar, Polen, der Türkei und der Ukraine. Dabei sind viele Rückschläge aber auch Fortschritte zu verzeichnen.

Einer der Beiträge in der Rubrik Kommunikation in Kirche und Gesellschaft widmet sich ebenfalls dem Schwerpunktthema. Darin fragt Christoph Böttigheimer u.a. was die Freiheit des Wortes im Kontext von Kirche und Religion impliziert.

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Neue Ausgabe (03/16) von Communicatio Socialis zum Thema Sexualität und Medien erschienen!

comsoc-3_2016-umschlagVon der Kindersendung über Popmusik bis hin zu Kinofilmen und Videospielen: Sexuelle Inhalte sind heute omnipräsent. In den vergangenen Jahren haben sowohl die Menge wie auch die Explizitheit der medialen Darstellungen zugenommen. Es ist von einer Sexualisierung der Gesellschaft durch die Medien die Rede, deren Folgen in Wissenschaft und Öffentlichkeit kontrovers diskutiert werden.

Im Kontext von Medien und Sexualität sind drei Formen von Angeboten zu unterscheiden: sexuelle Informationsangebote, sexuelle Unterhaltungsangebote, sowie sexualisierende Darstellungsweisen eigentlich nicht-sexueller Inhalte. Das Internet hat die Verbreitung der zweiten Form stark unterstützt. Jeder achte Webseitenaufruf  in Deutschland ist nach einer Erhebung des Analyse-Unternehmens SimilarWeb aus dem Jahr 2013 ein Zugriff auf Seiten mit pornografischem Bild- und Videomaterial. Im internationalen Durchschnitt liegt das Interesse an Nacktinhalten bei 7,65 Prozent, die Bundesrepublik gehört demnach zur weltweiten Spitzengruppe.

Als problematischer betrachtet wird jedoch die starke Präsenz von Medienangeboten der dritten Kategorie. Inhaltsanalysen zeigen beispielsweise, dass die Texte von Popsongs zunehmend weniger romantisch und dafür immer stärker sexualisiert sind. In Videospielen begegnen Jugendliche hypersexualisierten Charakteren wie Lara Croft, Protagonistin in „Tomb Raider“, und Duke Nukem, Hauptfigur des gleichnamigen Spiels. In der inszenier- ten Wirklichkeit vieler Castingshows gehören sexualisierte Darstellungen zum Standardrepertoire. Und natürlich nutzt die Werbung sexuelle Schlüsselreize. Attraktive, leicht oder gar nicht bekleidete Frauen und – deutlich seltener – Männer werben für alles Mögliche vom Mineralwasser bis zur Margarine. Sogar Politikmarketing setzt mitunter auf die Binsenweisheit „Sex sells“: Die Berliner CDU-Direktkandidatin Vera Lengsfeld nutzte im Bundestagswahlkampf 2009 ein Foto, das Kanzlerin Angela Merkel mit tiefem Ausschnitt zeigt, für ihre Wahlplakate. Dazu der Slogan: „Wir haben mehr zu bieten“.

Sexualisierende Darstellungsweisen transportieren Konstruktionen von Wirklichkeit, die problematische Vorstellungen vermitteln können. Sexualisierung in den Massenmedien bedeutet meist die Inszenierung von Mädchen und Frauen als Sexualobjekte. David Beckham in Unterhosen ist noch immer die Ausnahme. So sehr in allen Bereichen der Gesellschaft mittlerweile über Gleichstellung diskutiert wird: Einem Großteil sexualisierter Medieninhalte ist nach wie vor eine – zumindest unterschwellige Geschlechterdiskriminierung inhärent. Mediensexualität bewegt sich häufig auf einem schmalen Grat zwischen sexy und sexistisch.

Es ist ein Kennzeichen einer offenen, toleranten Gesellschaft, dass Sex ein öffentliches Thema ist. Aber: Natürlich hat es Konsequenzen, wenn Sexualität die Intimsphäre verlässt. Zu den befürchteten Folgen zählen neben der Verfestigung eines abwertenden Frauenbildes die zwischenmenschliche Abstumpfung, psychischer Druck und Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper und Sexualleben. Die mediale Repräsentation von Sexualität pauschal zu verurteilen, ist jedoch weder sinnvoll noch wird dies der differenzierten Realität gerecht. Nur ein kleines Beispiel: Als sich 1990 in der ARD-Serie „Lindenstraße“ erstmals im deutschen Fernsehen zwei Männer küssten, war dies ein wichtiger Schritt für die Normalisierung von Homosexualität in der Bundesrepublik.

Communicatio Socialis hat in der aktuellen Ausgabe eine differenzierte Betrachtung der Thematik Medien und Sexualität zum Schwerpunkt gemacht. Beachtung finden dabei alle drei Angebotsformen von Mediensexualität.

Mit sexualisierenden Darstellungsweisen im Kinder- und Jugendfernsehen befasst sich Maya Götz. Anhand verschiedener Studien zu Formaten wie „Germany’s Next Topmodel“ zeigt sie auf, welche Folgen Hypersexualisierung insbesondere für junge Zuschauerinnen hat. Von den Darstellungen unerreichbarer Schönheitsideale und ständiger Verfügbarkeit können sich die Rezipient_innen nämlich nur scheinbar abgrenzen.

Der Umgang Jugendlicher mit sexuellen Unterhaltungsangeboten steht bei Andreas Büsch und Benedikt Geyer im Fokus. Angesichts der gestiegenen Verfügbarkeit von Pornografie diskutieren die Autoren Herausforderungen für Medienethik, Medienpädagogik und Soziale Arbeit. Sie erläutern, wie Jugendliche Pornografie rezipieren und welche Folgen dies hat. Darauf basierend formulieren sie Vorschläge für die Praxis: eine Vermittlung von „Porno-Kompetenz“ statt Tabuisierung.

Es folgt eine Studie, die sich mit der medialen Berichterstattung über sexuelle Gewalt befasst. Stefanie Dürr, Daniela Märkl, Maria Lisa Schiavone und Melanie Verhovnik untersuchten die öffentliche Diskussion über die Kölner Silvesternacht, in der laut offiziellem Ermittlungsbericht 529 Sexualstraftaten begangen wurden. Eine adäquate öffentliche Debatte über sexuelle Gewalt entstand daraus jedoch nicht, das zeigen die Autorinnen mit ihrer qualitativen Kommentaranalyse.

Das wohl bekannteste sexuelle Informationsangebot für Jugendliche in Deutschland ist seit Jahrzehnten die Rubrik „Dr. Sommer“ in der Jugendzeitschrift „Bravo“. Deren 60. Geburtstag haben wir zum Anlass genommen, nachzufragen, welche Veränderungen sich über die Jahrzehnte hinweg in der Aufklärungsarbeit ergeben haben. Sabine Kadolph, seit 25 Jahren Mitglied des Dr. Sommer-Teams, hat geantwortet.
Komplettiert wird der Schwerpunkt zu Medien und Sexualität durch einen Bericht zum Vorstoß des Bundesjustizministers Heiko Maas zu einem Verbot sexistischer Werbung. Communicatio Socialis-Redakteurin Renate Hackel-de Latour gibt einen Überblick zu den Hintergründen und Chancen des Vorhabens.

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Neue Ausgabe von Communicatio Socialis (02/16) zum Thema Sport und Medien erschienen!

Titelseite 2_2016Das Jahr 2016 – ein Jahr der Mega-Events im Sport: Fußball-Europameisterschaft in Frankreich, Leichtathletik-Europameisterschaft in Amsterdam und Olympische Spiele in Rio de Janeiro. Mediale Sportgroßereignisse erreichen weltweit milieu- und kulturübergreifend ein viele Millionen großes Publikum. Im Fernsehen besitzt der Sport einen hohen Stellenwert, denn die Übertragung von Sportereignissen gehört zu den reichweitenstärksten Angeboten des Mediums. Neben der soziokulturellen Dimension hat sich um den Sport eine profitable, globale Industrie entwickelt: der Wettbewerb um Übertragungsrechte, die Auslandsvermarktung, das Merchandising. Nicht nur die Kommerzialisierung sondern auch Korruption, organisierte Kriminalität und Doping gehören zu den Schattenseiten des Profisports. Kritische Sportjournalisten dokumentieren eine explodierende Anzahl an Fällen. Nachzulesen ist das zum Beispiel auf dem seit 2012 existierenden Blog fussballdoping.de, der mittlerweile bei CORRECT!V, dem ersten gemeinnützigen Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum, eingebunden ist. Und natürlich sind die Schattenseiten des Sports ein relevantes Thema im noch relativ jungen Forschungs- und Berufsfeld Sport und Medien.

Die im September 2014 gegründete Ad-hoc-Gruppe „Mediensport & Sportkommunikation“ in der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft will Forschungsaktivitäten bündeln und einen Beitrag zur interdisziplinären Vernetzung mit sportwissenschaftlichen Teildisziplinen leisten. Veröffentlichungsmöglichkeiten gibt es in der 2015 online gegangenen Publikation „Journal für Sportkommunikation und Mediensport“ (www.medien-sport-journal.de). Die beiden Sprecher der Gruppe kommen in dem Schwerpunkt „Sport und Medien“ des aktuellen Heftes zu Wort.

Holger Ihle macht den Auftakt mit einer Bestandsaufnahme und Systematisierung des Forschungsfeldes. Er verdeutlicht in seinem Beitrag die Unterschiede der internationalen und deutschen Forschungstraditionen und zeigt mögliche Entwicklungslinien für die Sportkommunikationsforschung auf. Die vielfältigen sozialen, ökonomischen und publizistischen Zusammenhänge von Sport und Medien erfordern interdisziplinäre Perspektiven. Im Mainstream der Sport-Medien-Forschung steht der Leistungssport, und dort der Premiumsport mit dem Fußball auf Platz 1. Mittlerweile ist die Sport-Medien-For- schung jedoch breiter geworden und berücksichtigt auch andere Facetten wie etwa den Behindertensport oder das Thema Migration und Sport sowie die Repräsentation von Frauen im Sport.

Mit ausgewählten, zum Teil spektakulären kommunikationsethischen Problembereichen der Sportberichterstattung, die in Kontext zum Berufsverständnis der Sportjournalisten gebracht werden, befasst sich Jörg-Uwe Nieland. Dabei differenziert er zwischen „sports journalism“ und „sports broadcasting“. Mit dieser Unterscheidung erfolgt eine Unterteilung in den kritischen Sportjournalismus auf der einen Seite und die unter- haltend-informative Berichterstattung über ein Sportereignis auf der anderen Seite. Die Leistungen und die Verantwortung des Sportjournalismus sind laut dem Autor dann als problematisch einzuschätzen, wenn es beispielsweise zum kumpelhaften Miteinander mit den Sportstars kommt. Schließlich diskutiert Nieland, ob die Leitlinien des Verbandes der Sportjournalisten eine Grundlage für die kritische Begleitung des Sports bilden und damit die problematischen Muster der Berichterstattung durchbrechen könnten. „Sports journalism“ benötige nämlich, so sein Fazit, eine Mediensportethik als Pflichten-, Tugend-, Prinzipien-, und Strebensethik.

Fußballstars, die exklusiv vereinseigenen Medien Interviews geben, und traditionelle Medien, deren Informationszugang mehr und mehr eingeschränkt wird: Über die Selbst- berichterstattung des Sports und damit eine Verwischung der Grenzen von PR und Journalismus am Beispiel von Club-TV schreiben Thomas Horky und Thomas Hestermann. Dazu präsentieren sie u. a. die Befunde einer Leitfaden-Befragung von 22 Vertretern des Corporate Publishing insbesondere zu Themen des vereinseigenen Sportfernsehens.

Den Abschluss des Schwerpunktes macht Regina Greck mit ihrer Analyse der Berichterstattung über die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi. Sie untersucht überregionale Printmedien hinsichtlich ihrer politischen Themenschwerpunkte und fragt die Rezipient_innen, welche Aspekte sie wahrgenommen haben.

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Flucht und Migration – neue Ausgabe von Communicatio Socialis (01/16) erschienen!

ComSoc_UmschlagIn Nachrichtensendungen, Zeitungen, Zeitschriften und auf Onlineportalen ist „Flucht“ omnipräsent. Politische Talkshows kennen kaum ein anderes Thema. Anne Will diskutierte in sechs von acht Sendungen von Januar bis Anfang März 2016 über Flucht, Flüchtende und die Auswirkungen; acht von acht „Hart aber Fair“-Sendungen widmeten sich im gleichen Zeitraum dieser Thematik und sechs von acht „Maybrit Illner“- Sendungen. So groß wie das öffentliche Interesse scheint auch die Sensibilität der Öffentlichkeit zu sein, wenn es um das Was und Wie der Berichterstattung geht. Allein zur Berichterstattung über die Silvesterereignisse in Köln gingen 31 Beschwerden beim Deutschen Presserat ein: „Diskriminierung“ und „Rassismus“ lauteten die häufigsten Vorwürfe. Doch der Presserat bewertete alle Beschwerden als unbegründet (Deutscher Presserat 2016a). Aus medienethischer Perspektive bietet das Thema „Flucht und Migration“ unzählige Anknüpfungspunkte für eine kritisch hinterfragende und diskursive Auseinandersetzung. Dem trägt Communicatio Socialis mit dem Schwerpunkt „Flucht und Migration in den Medien“ Rechnung.

Der Themenschwerpunkt beginnt mit einem Aufsatz von Friederike Herrmann über „Narrative in der Berichterstattung zum Flüchtlingsthema“. Der Beitrag fußt auf einer Analyse von TV-Nachrichtensendungen und Tageszeitungen. Die Autorin kann zeigen, dass die in der medialen Massenkommunikation vorherrschenden und meist negativ konnotierten Narrative Fakten verdrängen. Ausweg aus diesem Zerrbild ist in Herrmanns Augen ein kritischer und aufklärerischer Journalismus, der gängige Narrative entlarvt und auf Fakten setzt.

Petra Hemmelmann und Susanne Wegner widmen sich zum einen Mustern und Themenschwerpunkten in der Berichterstattung zur Fluchtthematik und zum anderen untersuchen sie Facebook- Posts politischer Parteien. Sie können fünf Wellen der Bericht- erstattung identifizieren, die jeweils von anderen Stereotypen und Schwerpunkten geprägt sind. Auf „Facebook“ spiegelte sich die Spaltung der Gesellschaft wider, wobei vor allem die AfD und die CSU mit ihren ablehnenden Haltungen zur Aufnahme von Flüchtenden Zuspruch erhalten.

Mit der Darstellung von Flucht und Migration im Film befasst sich Thomas Bohrmann. Der Autor stellt sechs verschiedene Filme vor, die den Zuschauer zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema auffordern, weil sie emotionale und kognitive Impulse bieten. In der Konsequenz plädiert Bohrmann für einen bewussten pädagogischen Einsatz der Filme.

Der Medienrechtler Ernst Fricke beleuchtet aus juristischer Perspektive die Berichterstattung über die Ereignisse der Silvesternacht in Köln. Anhand rechtlicher Grundlagen und Grundsatzurteile betont Fricke die Bedeutung der Regeln zu Diskriminierung und Vorverurteilung im Pressekodex.

Das neue Heft ist ab sofort online abrufbar. Die Artikel können auch einzeln erworben werden. Wie gewohnt erscheint die neue Ausgabe auch in gedruckter Form. Die Zeitschrift Communicatio Socialis erscheint im verzögerten Open Access: 12 Monate nach Erscheinen eines Artikels ist er frei im Netz zugänglich. Eine Reihe von (Universitäts-) Bibliotheken haben Communication Socialis lizensiert und gewähren ihren Nutzer_innen Zugriff auf die aktuellen Inhalte (siehe diese Übersicht).

 

Journalismus in Echtzeit – neue Ausgabe erschienen (Communicatio Socialis 04/15)

ComSoc 4_2015 UmschlagDie regelmäßig zum Jahresende veröffentlichten Rückblicke auf die (Medien)Ereignisse des Jahres wirken für 2015 wie eine Beispielsammlung für Berichterstattung, die im hohen Maße auf Echtzeit gesetzt hat: das Attentat auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ im Januar, der Absturz der Germanwings-Maschine in Frankreich im März und schließlich die Attentate in Paris im November. All diesen Ereignissen wohnt eine große Tragik verbunden mit großem menschlichem Leid inne. Seitens der Rezipienten bestand ein hohes Informationsbedürfnis, das es seitens der Journalisten möglichst rasch zu befriedigen galt. Mobile Endgeräte, soziale Netzwerke und Blogs steigerten das Tempo im Nachrichtengeschäft im Kampf um die knappe Ressource Aufmerksamkeit. Geschwindigkeit und nicht Reflexion und Gewichtung bestimmten den Takt im real-time journalism. Das Publikum – der Beschleuniger im Nachrichtengeschäft – bekam Terror und Katastrophe in Echtzeit. Zur Berichterstattung war nahezu zeitgleich vehemente Kritik zu vernehmen, die noch anhielt als sich der Medientenor wieder anderen Themen zuwandte.Im Geschwindigkeitsrausch steigen die Fehlerrate und das Risiko, dass Persönlichkeitsrechte der Betroffenen verletzt werden. Falschmeldungen und Gerüchte verbreiteten sich rasant auch über als seriös und glaubwürdig eingestufte Medien, in der Berichterstattung wurde auch auf ethisch fragwürdige Recherchemethoden, Bilder und Worte zurückgegriffen. Und im Bedienen einer wachsenden Jetzt-Leidenschaft des Publikums berichteten die Journalist_innen vom Ort des jeweiligen G schehens, obwohl die Nachrichtenlage keine Aktualisierung der Informationen zuließ.

Motor für die kritikwürdigen Auswüchse in der Berichterstattung ist die zunehmende Digitalisierung, mit der sich Informationsdichte, -tempo, -kanäle und -quellen vervielfacht haben. Die Echtzeitteilhabe für das Publikum beschränkt sich längst nicht mehr auf die einordnende Live-Vermittlung durch professionelle Journalist_innen. Vielmehr ist ein Dabeisein im Netz über soziale Medien Realität. Die klassischen Medien kommen, gefangen im Korsett ihrer Publikationsintervalle, an die Geschwindigkeit der Informationsvermittlung dieser Kanäle mit ihren technischen und personellen Ressourcen nicht heran. Um mitzuhalten, bedienen sie neue Kanäle und machen Abstriche in Recherche, Einordnung und Hintergrundinformation. Dass eine solche Entwicklung aus medienethischer Perspektive relevant ist, liegt auf der Hand. Die Beiträge zum Schwerpunkt im aktuellen Heft widmen sich mit je unterschiedlichem Fokus und aus verschiedenen Blickwinkeln den medienethischen Fragen rund um „Aktualität und Echtzeit im Journalismus“.

Den Auftakt machen Klaus-Dieter Altmeppen, Christoph Bieber, Alexander Filipović und Jessica Heesen. In ihrem Beitrag „Echtzeit-Öffentlichkeiten“ betrachten sie das Phänomen als Folge der Digitalisierung. Den Autor_innen zufolge bilden sich Echtzeit-Öffentlichkeiten nicht mehr allein auf Basis des Journalismus. Vielmehr treten neben die Journalist_innen viele weitere Öffentlichkeitsakteure, die nicht nach journalistischen Standards arbeiten. Vor dem Hintergrund der sich elementar wandelnden Öffentlichkeiten fordern die Autor_innen eine Neubestimmung von medialer Ethik und Verantwortung.

Hans-Joachim Höhn beschäftigt der veränderte Umgang mit Zeit. Er diagnostiziert das Zeitalter der Beschleunigung, treibende Kraft sei dabei ein kinetischer Imperativ. Der Mensch unterwirft sich, sagt Höhn, dem Zwang der Beschleunigung seiner Lebensvollzüge, auch um der Vergänglichkeit zu entkommen. In der Folge werden Raum und Zeit entgrenzt. Die Beziehung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verschiebe sich, wobei die Gegenwart einen ständigen Bedeutungsverlust erleide. Tobias Eberwein diskutiert das Verhältnis von Aktualität und Schnelligkeit aus medienethischer Perspektive. Er verweist auf die zeitliche, sachliche und soziale Dimension von Aktualität und sieht diesen Dreiklang durch den Geschwindigkeitswahn gefährdet. In der Folge leide die Glaubwürdigkeit des Journalismus. Er plädiert vor allem für eine Rückbesinnung auf die sachliche und soziale Dimension.

Mit den „Chancen und Risiken von Medienkritik in Echtzeit“ befasst sich Stefan Niggemeier. Dem Nachteil fehlender Reflexionszeit stehe der Vorteil der Medien gegenüber, rasch reagieren und korrigieren zu können. Zugleich mahnt er zur Ent- schleunigung der Berichterstattung und damit einhergehender inhaltlicher Profilierung. Der Text kann kostenlos abgerufen werden.

Eine Antwort klassischer Medien auf die digitale Konkurrenz in der aktuellen Berichterstattung ist die Nutzung eigener digitaler Kanäle. Als Beispiel für einen solchen stellt Christian Daubner zum Abschluss die neue Nachrichten-App des Bayerischen Rundfunks vor. Ziel der App „BR24“ sei es, Nachrichtenangebote plattformgerecht zu modifizieren und so alle Generationen zu erreichen. Dabei bekommt der User eine aktive Rolle in der Auswahl und Gewichtung der einzelnen Meldungen.

Das neue Heft ist ab sofort online abrufbar. Die Artikel können auch einzeln erworben werden. Wie gewohnt erscheint die neue Ausgabe auch in gedruckter Form. Die Zeitschrift Communicatio Socialis erscheint im verzögerten Open Access: 12 Monate nach Erscheinen eines Artikels ist er frei im Netz zugänglich. Eine Reihe von (Universitäts-) Bibliotheken haben Communication Socialis lizensiert und gewähren ihren Nutzer_innen Zugriff auf die aktuellen Inhalte (siehe diese Übersicht).